Der "Strich Acht": mein erstes Auto

Robuste Technik. Zuverlässig. Das war noch ein "echter Mercedes"

Aus zweiter Hand: Der 200D/8, mein erstes Auto. Typ-Nr: 115115 1A 10149187

Die "neue Generation" –werksintene Bezeichnung 115 bzw. 114– wurde wegen des Produktionsbeginns 1968 kurz /8 (Sprich "Strich Acht") genannt.

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Seiner Zeit weit voraus und unkaputtbar: mein 200D/8 BJ. 1972. Hier im Sommer 1993 in Heeren-Herken bei Haldern.
Samstag, 16. Juni 1990. Ich habe meinen Wehrsold und etwas Erspartes zusammengekratzt und in der Zeitung nach einem 200D gesucht. Um 6:00 früh bin ich gleich los: mit dem Zug nach Düsseldorf. Vom dortigen Hauptbahnhof habe ich gleich bei dem Verkäufer angerufen, der mich wissen ließ, daß schon andere Interessenten "unterwegs" seien.
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Hals über Kopf bat ich einen Taxifaher doch bitte möglichst schnell in die Sommersstraße zu fahren: Ich war der erste und habe den herrlichen "Barockschinken", wie mein Großvater das Auto später nannte, von einem älteren Ehepaar gekauft.

An diesem Fahrzeug hat alles gestimmt. Damals, wie auch noch heute, sitzt bei Mercedes alles da, wo man es intuitiv vermutet: Das Fahrzeug ist ergonomisch perfekt. Wie oft der Kilometerzähler die 100.000 km-Marke schon übersprungen hatte, wußte niemand. Erst als 1995 die Kompression so schwach war, daß er nur noch nach einigen hundert Metern des Bergabrollens unter unwilligem Schütteln und rütteln widerwillig ansprang, vermutete ich eine Laufleistung von weit über einer Million Kilometern.
Solche Bergab-Rollstarts waren im Rheingau möglich. Der Wagen wurde am Hang geparkt, und morgens ließ ich ihn anrollen: 3. Gang rein, Vorglühen, nach ca. 200 Metern geräuschlosen bergab Rollens die Kupplung losgelassen, im Rückspiegel weißer Qualm: dann war er "da" und tuckerte.

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Kaum Rost und ein nagelneuer Motor: mein treuer Begleiter kurze Zeit vor dem Unfall.
Am 27. März 1995 führ mir eine junge Dame mit ihrem VW-Polo im Rheingau hinten drauf.
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Ein sogenannter "wirtschaftlicher Totalschaden" setzte dem noch fahrtüchtigen und nur leicht angeknautschtem Mercedes ein jähes Ende. Während der VW-Polo gänzlich zerschellte und sich Wasser und Öl auf der B42 ergoß, konnte der neu motorisierte /8 den Schrott der Unfallverursacherin sogar noch nach Hause schleppen. Die Versicherung hat nur den Zeitwert bezahlt: die Reparatur der Heckpartie und der Heckklappe war zu teuer. Schweren Herzens trennte ich mich von meinem 50 PS starken 1,5 Tonnen schweren Gefährt.

Wer ein zuverlässiges Auto sucht, ist beim /8 genau richtig. Er kann in jeder Werkstatt repariert werden, ab Werk ist jedes Ersatzteil erhältlich, vom Bakelit-Lenkrad bis zum Differential, alles kein Problem. Alles in allem hat auch dieses Fahrzeug nur einmal eine Panne gehabt: Vom Lenkgetriebe ist eine Schraube gebrochen.
Die Karosserie ist bis zum Baujahr 72 schlecht gegen Korrosion geschützt. Rost ist also der größte Feind. Streusalz nagt über die Jahre an dem Wagen wie Lauge. Wer den /8 erhalten möchte, was sich durchaus lohnt, der sollte Kontakt mit der Firma Kienle aufnehmen. Kienle ist ein vom Werk anerkannter Restaurateur für klassische Mercedes-Fahrzeuge. Er zerlegt diese Fahrzeuge und baut sie originalgetreu nagelneu wieder zusammen. Eine Vollverzinkung der Karossierie ist auch möglich.

zuletzt geändert am 26.07.2006, 16.56 Uhr
© 2006  Matthias Peters

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